Weitere Quellen

Positionspapier: Digitale Medien und frühe Kindheit

Forschungsstand, Wirkungen und Empfehlungen

Ist die digitale Generation eine kranke Generation?

arte Dokumentation

Beitragslänge: 53 Minuten
Erstausstrahlung: 2020

Wie sieht eine gesunde Nutzung digitaler Medien aus? Welche Erkenntnisse liefert die Wissenschaft?

Der Dokumentarfilm schildert gegenwärtige Studien über die Auswirkungen der digitalen Medien auf unser Verhalten, Gehirn und die psychische Gesundheit. Die digitalen Bildschirmmedien wie Tablets und Smartphones sind auf den Markt gekommen, bevor die Risiken erforscht wurden. Jedoch brauchen Forschungen etwa 20 Jahre, um die gesamten Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder nachweisen zu können. Die digitalen Bildschirmmedien bergen ein großes Gesundheitsrisiko, für welches das Bewusstsein in unserer Bevölkerung fehlt. Es gibt heute mehr Kinder mit Interaktionsstörungen, Sprachproblemen, Verhaltensauffälligkeiten und aggressivem Verhalten, die keine Frustrationstoleranz haben und keine Grenzen akzeptieren. Außerdem sind Folgen von exzessiver Bildschirmexposition Schlafstörungen, Aufmerksamkeitsstörungen, Gewichtsprobleme und Lernstörungen.

1970 war ein Kind ab vier Jahren vor dem Fernseher.

Heute sitzen bereits vier Monate alte Babys vor dem Bildschirm; 1/3 der Kinder unter zwei Jahren verbringen täglich knapp 90 Minuten vor dem Bildschirm.

Das Gehirn eines Kindes unter zwei Jahren ist nicht in der Lage zu analysieren was auf dem Bildschirm geschieht und kann das Gesehene nicht in die Realität übertragen. Die Lernleistung mit einem Bildschirm verringert sich um 50% im Vergleich zu einer realen Interaktion mit den Eltern (Transferdefizit). Somit ist die Zeit, die Kinder mit einem Bildschirm verbringen, verlorene Zeit. Auch die Nutzung des Smartphones durch die Eltern in Anwesenheit des Kindes beeinträchtigt sein Lernverhalten.

Für Erwachsene bergen erhöhte Zeiten vor dem Bildschirm ebenfalls Risiken. Die sozialen Netzwerke nutzen Mechanismen um unsere Neuronen zu manipulieren und steuern unser Belohnungssystem durch unvorhersehbare zufällige, wohldosierte Belohnungen, durch „Likes“ oder „Clicks“. Auch Spielsucht, die 2018 offiziell als ein Krankheitsbild durch die WHO erklärt wurde, fordert in vielen Regionen weltweit Handlungsbedarf. Paradoxerweise hat ein Forschungslabor entdeckt, dass Gamer der Ego-Shooter Spiele eine erhöhte Aufmerksamkeitsfähigkeit entwickeln, die Nicht-Gamer nicht leisten können. Bei einigen dieser Aufmerksamkeitsfähigkeiten werden Zusammenhänge für eine bessere Alltagsbewältigung gesehen, wie beispielsweise eine geringere Gefahr für Verkehrsunfällen. Diese Erkenntnis scheint interessant für therapeutischen Anwendungen zu sein.