Warum „Bildschirmfrei bis 3“?

Die Experten sind sich einig, dass kleine Kinder durchschnittlich zu viel Zeit mit digitalen Bildschirmmedien verbringen. Der Zeitvertrieb mit digitaler Kommunikation, Filmen und Computerspielen wächst auch bei uns Erwachsenen. Wir dürfen nicht vergessen, dass es vor allem für Kinder auch Schattenseiten gibt. Die übermäßige Nutzung von Bildschirmmedien durch Eltern und Kinder kann zahlreiche gesundheitliche Auswirkungen haben. Durch weitgehenden Verzicht auf Bildschirmmedien in den ersten 3 Jahren, ermöglichen Sie Ihrem Kind positive Effekte in diversen Entwicklungsbereichen wie beispielsweise bei Feinmotorik, Aufmerksamkeit und sozialem Verhalten.

Können wenige Stunden pro Tag, oder sogar 30 Minuten pro Tag vor dem Bildschirm eine gesunde Entwicklung beeinträchtigen? Ja. Kinder entwickeln sich in den ersten 3 Jahren intensiver als je später. Eine Stunde in der frühen Kindheit hat in Bezug auf Entwicklung den Stellenwert von Tagen oder sogar Monaten im späteren Leben. Jede Stunde der ungestörten, spielenden Selbstentwicklung in der Kleinkindzeit ist im wahrsten Sinne Goldwert.

Was sind Medien; Was sind Bildschirmmedien?

Wenn wir von Medien reden, dann meinen wir meist die Art und Weise, wie wir kommunizieren und Informationen, Bilder und Nachrichten austauschen und verbreiten.

Medien lassen sich nach verschiedenen Möglichkeiten kategorisieren. Eine davon ist sie in Primär-, Sekundär-, Tertiär- und Quartärmedien nach dem Journalisten Harry Pross zu unterteilen. Demnach gehören die Sprache, Mimik, Gestik und Körpersprache u.v.m. zu den Primärmedien. Mit diesen kommunizieren wir direkt, von Mensch zu Mensch. Wenn eine Person der anderen eine Information, Nachricht oder Bilder zukommen lässt und dazu ein technisches Mittel verwendet, sprechen wir von Sekundärmedien. Diese sind beispielsweise Rauchzeichen, Zeitungen, Bücher, Flyer und Plakate. Wenn beide Personen, Sender und Empfänger, ein technisches Hilfsmittel benötigen, dann ist von Tertiärmedien die Rede. Dazu gehören Radio, TV, Computer, Telefonieren, elektronische Massenmedien u.v.m. Mit Quartärmedien ist gemeint, dass beide Personen eine Internetverbindung brauchen, wie bspw. für Soziale Medien.

Um das Ganze zu vereinfachen, können Medien auch in analoge Medien (Printmedien wie Bücher; Audiokassetten; CDs; Schallplatten usw.) und digitale Medien (PC mit Internetzugang; Tablets; Computerspiele; Konsolenspiele; Smartphone; digitales Fernsehen) oder nach Bildschirmmedien, Hörmedien und Printmedien unterteilt werden.

Die klassische Art und Weise, Informationen, Bilder und Nachrichten zu kommunizieren sind Printmedien. Die Inhalte von gedruckten Medien werden meist optisch wahrgenommen.

Printmedien sind:

  • Bücher, Bilderbücher
  • Zeitschriften, Zeitungen, Kataloge
  • Broschüren, Flyer, Poster, Plakate
  • Karten, Pläne
  • Tiptoi-Bücher (gleichzeitig Hörmedien)

Wir sprechen innerhalb des Projektes „Bildschirmfrei bis 3“ meist von Bildschirmmedien. Bildschirmmedien sind elektronische Medien. Ihre Inhalte werden zugleich optisch und akustisch (audiovisuell) wahrgenommen – also prinzipiell alle Geräte mit einem elektronischen Bildschirm oder Anwendungen für die elektronischer Bildschirm benötigt wird.

Bildschirmmedien sind:

  • Handy, Smartphone
  • TV
  • Computer
  • Tablet
  • digitale Spiele (Spielekonsolen, Computerspiele, Handyspiele usw.)
  • Smart Watch
  • Digitaler Bilderrahmen
  • Navigationssystem
  • Internet und alle damit verbundenen Funktionen (SMS, MMS, soziale Medien usw.)

Manchmal ist auch die Rede von Hörmedien. Damit sind Anwendungen gemeint, deren Inhalte meist akustisch wahrgenommen werden.

Hörmedien sind:

  • Telefonieren
  • Radio
  • CDs, Kassetten, Schallplatten
  • MP3-Player
  • Toniebox
  • auch Musik aus dem Internet
  • Tiptoi-Bücher (gleichzeitig Printmedien)

Welche Arten von Bildschirmmediennutzung gibt es?

  • Bildschirmmediennutzung durch das Kind bzw. aktive Nutzung von Medien durch das Kind (z. B. Kind spielt am Handy oder Tablet)
  • Medien im Hintergrund bzw. die passive Bildschirmmediennutzung (z. B. im Hintergrund läuft der Fernseher)
  • Bildschirmmediennutzung durch die Eltern oder Betreuungspersonen (z. B. Eltern telefonieren oder schreiben Mails am Handy in Anwesenheit des Kindes)

Die Entwicklung Ihres Kindes

Spracherwerb

  • Die Sprache und das Denken erlernt Ihr Kind mit Mitmenschen durch Sprechen und Interagieren. Die Bildschirmmedien interagieren nicht auf ganzheitlicher Weise mit Kindern.
  • Wenn die im Hintergrund laufenden Bildschirmmedien abgeschaltet werden, werden die kindlichen Sprachäußerungen verbessert und die Bildschirmmedien können nicht vom Hin- und Zuhören ablenken.

Bindung

  • Wenn Sie und Ihr Kind keine oder nur wenig Zeit an Bildschirmmedien verbringen, haben Sie gemeinsam mehr Zeit zum Kennenlernen, Kommunizieren und Binden.
  • Durch die Zeit, die Sie gemeinsam mit Ihrem Kind verbringen, erweitert es die Fähigkeit, sich in andere Menschen einzufühlen (Empathie).

(Welt-)Erfahrungen

  • Lernen mit Kopf, Herz und Hand: Es ist wichtig, dass Ihr Kind Erlebnisse mit allen Sinnen (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) in seiner körperlichen Erfahrung verankert.
  • Die sinnlich realistischen und komplexen Welterfahrungen, wie etwa in der Natur, führen zur Zusammenarbeit aller Sinne und ermöglichen das Lernen sowie Selbstwirklichkeitserfahrungen.

Kreativität

  • Im Laufe seiner Entwicklung erlernt Ihr Kind das spontane Denken, Handeln und Problemlösen. Verzichten Sie und Ihr Kind auf Bildschirmmedien, schaffen Sie – gerade auch aus der Langeweile heraus – freien Raum für Kreativität und es entstehen individuelle eigene Bilder und Phantasien.
  • Ohne die vorgegebenen Bilder aus dem Fernsehen entstehen im Spiel Ihres Kindes eigene Ideen für Figuren und Handlungen.
  • Geschichten erzählen oder vorlesen schafft Freiraum für Kreativität und ermöglicht es Ihrem Kind sich die Figuren und Handlungen selbst vorzustellen und zu gestalten.