Kurzbeschreibung: 
In diesem Interview sprechen Dr. med. Silke Schwarz und Univ.-Prof. Dr. med. David Martin über die Auswirkungen von Smartphones auf Eltern-Kind-Beziehungen. Es geht um elterliche Präsenz, Grenzen in der digitalen Welt, Phubbing, Tracking, berufliche Belastung, Bindungsentwicklung sowie praktische Wege zu einem gesunden, achtsamen Umgang mit digitalen Medien innerhalb der Familie.

Frau Dr. Schwarz, derzeit wird viel darüber diskutiert, inwieweit Politik, Schulen oder Erziehungsberechtigte die Handy-Nutzung von Kindern und Jugendlichen einschränken sollten. Manche handhaben den Umgang mit der digitalen Welt bereits restriktiv. Ist es kennzeichnend für Helicopter-Eltern, dass sie bei 15- und 16-Jährigen die Smartphone-Zeit begrenzen und Kontakte überwachen? Oder sollten verantwortungsbewusste Eltern das so handhaben?

Für meinen Kollegen David Martin und mich ist zunächst eine kurze Einordnung des Begriffs „Helicopter-Eltern hilfreich. Aus der Perspektive achtsamer Elternschaft erweist sich der Begriff der „Helicopter-Eltern“ als unscharf, weil er responsives, präsentes Dasein rasch als Übersteuerung etikettiert und Intention, Kontext und Dosis elterlicher Unterstützung meist nur unzureichend berücksichtigt. Eltern haben oft ganz gute Gründe, manchmal Intuitionen oder eine gute Resonanz zum Kind, wenn sie sich um ihre Kinder sorgen, während dies von außen oft als Helicopter-Eltern bezeichnet wird. Manchmal liegen natürlich auch Unsicherheiten der Eltern oder Ängste um das Kind zugrunde. Es entsteht oft eine begriffliche Verkürzung, die achtsame Begleitung vorschnell problematisiert und einen ruhigen fachlichen Blick auf Qualität und Ziel elterlicher Präsens erschwert. Grenzen sind dann hilfreich, wenn sie aus einer guten Bindung mit dem Kind heraus gesetzt werden. Klare Regeln, gute Begründungen und echte Mitsprache der Jugendlichen ist essenziel. Auf diesem Weg entsteht kein „Überwachen von oben“, sondern ein gemeinsam getragener Rahmen, der Schlaf, Schule, Freizeit und zwischenmenschliche Beziehungen schützt. Die deutsche AWMF-Leitlinie zur Prävention einer dysregulierten Bildschirmmediennutzung betont für Jugendliche partizipativ vereinbarte Regeln, explizite Kontextgrenzen (bspw. keine Geräte bei Mahlzeiten) und die Förderung von Strategien zur Selbstregulation statt reines Minutenzählen. Ähnliche Ratschläge formuliert die American Academy of Pediatrics und empfiehlt einen Familien-Medienplan als praktisches Werkzeug, inklusive Bildschirmmedienfreie Zeitfenster, sowohl für Kinder, Jugendliche und den Eltern. Eine aktuelle Übersicht zeigt, dass der Plan bei Jugendlichen die Selbstregulation stärkt, wenn Regeln zu Schlaf, Lernzeiten und bildschirmfreien Zeitfenstern gemeinsam erstellt und regelmäßig angepasst werden.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075, Zugriff am 15.07.2023

Megan A. Moreno, Jenny Radesky, Mary Claire Walsh, Suzy Tomopoulos; The Family Media Plan. Pediatrics December 2024; 154 (6): e2024067417. 10.1542/peds.2024-067417

Ist es typisch für Eltern, die mit ihrer Sorge intensiv um ihren Nachwuchs kreisen, selbst viel Zeit vor digitalen Displays zu verbringen: Damit sie stets auf dem neuesten Stand über Risiken und Geschehnisse sind, die ihr Kind betreffen könnten? Und weil sie es möglicherweise auch tracken?

Eltern, die ihre Kinder tracken, tun das meistens aus einem Sicherheitsbedürfnis heraus. Wir können jedoch sehen, dass die Dauerüberwachung das Vertrauen und die Autonomie schwächt. Es kann zu Gegenreaktionen führen und vermittelt eine trügerische Sicherheit, die echte Risiken oftmals nicht reduziert. Aus diesen Gründen empfehlen wir das Tracken zu unterlassen. Die dauerhafte Suche nach Informationen über Risiken und Gefahren für die Kinder wirkt verantwortungsvoll und vermittelt sicherheitsbedürftigen Eltern ein gutes Gefühl, führen in der Praxis aber oft zu Unterbrechungen in der Eltern-Kind-Interaktion. Dieses Phänomen wird als „Technoference“ beschrieben. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen dieses Phänomen. Mehr elterliche Gerätezeit hängt mit höherem elterlichen Stress und mehr kindlichen Verhaltensproblemen zusammen. Umgekehrt können problematische Verhaltenslagen der Kinder den Rückzug der Eltern ins Handy verstärken. Leitlinien empfehlen klar definierte Check-Fenster, Fokuszeiten und Familienzeiten ohne Unterbrechungen durch die Nutzung von Bildschirmmedien. Angestrebt wird eine strukturierte Erreichbarkeit, die wichtige Informationen zulässt, ohne die Beziehungskontinuität zwischen Eltern und Kindern nachhaltig zu stören.

McDaniel, B.T., Radesky, J.S. Technoference: longitudinal associations between parent technology use, parenting stress, and child behavior problems. Pediatr Res 84, 210–218 (2018). https://doi.org/10.1038/s41390-018-0052-6

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Wenden wir uns Eltern zu, die loslassen müssen. Etwa, weil sie ihren Nachwuchs schon früh in die Verantwortung anderer übergeben, die sich in Kitas oder Ganztagsschulen um die Kinder kümmern. Fällt es solchen Menschen, die ihr Beruf häufig weiträumig fordert, schwerer, sich etwa beim Abholen aus der Kita ausschließlich ihrem Kind zuzuwenden? Kann es sein, dass sie auch während der gemeinsamen Qualitätszeit beim Spielen, Kochen oder Kuscheln doch immer wieder Emails und Nachrichten auf ihrem Smartphone checken?

Eltern haben die Möglichkeit einen bewussten Übergang zwischen Arbeit und der Eltern-Kind-Zeit zu schaffen. Einfache und wiederholbare Routinen erleichtern diesen Übergang, damit die fordernde berufliche Tätigkeit nicht dazwischenfunkt. Schon ein klarer kurzer Abschluss am Arbeitsplatz hilft beim Abschalten. Ein anschließender Übergang ohne Smartphone auf dem Weg zur Kita unterstützt zusätzlich, den Kopf freizubekommen. Das Ziel ist, solche Routinen in eine feste Struktur zu überführen, um negative Folgen deutlich zu verringern. Studien zeigen, dass schon kurze Handy-Episoden von Betreuungspersonen einen negativen Einfluss auf die Eltern-Kind-Interaktion haben können. Die Sensitivität, nonverbale Zuwendung und die Dialogzeit zwischen Eltern und Kind werden gemindert. Kinder reagieren hierauf in der Regel mit Protest oder Rückzug. Aus einer entwicklungspsychologischen Perspektive ist dieses Phänomen kritisch zu betrachten. Die vielen Makro- und Mikro-Interaktionsfenster, die als Lern- und Bindungsgelegenheiten betrachten werden können, sind besonders in den ersten Lebensjahren elementar und werden durch die Nutzung von Bildschirmmedien verdrängt. Handyfreie Rituale schützen die Qualität dieser Lernmomente. Vielfältige Vorschläge wie Ankommens-Momente, gemeinsames Essen oder Vorlesen wirken sich deutlich positiv auf die Eltern-Kind-Bindung aus, besonders wenn das Gerät außer Sicht bleibt. Diese schützenden Kontexte werden durch die Wissenschaft empfohlen.

Radesky J, Miller AL, Rosenblum KL, Appugliese D, Kaciroti N, Lumeng JC. Maternal mobile device use during a structured parent-child interaction task. Acad Pediatr. 2015 Mar-Apr;15(2):238-44. doi: 10.1016/j.acap.2014.10.001. Epub 2014 Nov 22. PMID: 25454369; PMCID: PMC4355325.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Sticca F, Brauchli V and Lannen P (2025) Screen on = development off? A systematic scoping review and a developmental psychology perspective on the effects of screen time on early childhood development. Front. Dev. Psychol. 2:1439040. doi: 10.3389/fdpys.2024.1439040

Unabhängig von beruflichen und anderen Verpflichtungen, belegt das Smartphone mit seinen digitalen Möglichkeiten unser Sein und Bewusstsein immer stärker. Früher wurden Mütter schon schräg angesehen, wenn sie mit dem Baby auf dem Arm einen dringenden Anruf auf dem Handy entgegengenommen haben. Jetzt ist es ein alltägliches Bild, dass Mütter und Väter den Kinderwagen beim Spaziergehen „blind“ anstupsen, während sie mit unbewegtem Blick auf ihre Smartphones starren. Wie kann das sein: Es gehört doch zu den schönsten Erlebnissen, mit dem eigenen Baby und dessen Mimik zu interagieren, sich an seinen Reaktionen auf die Welt und auf das eigene Lächeln oder auch Sprechen zu erfreuen, kleine Details seines Verhaltens und seiner Entwicklung zu bemerken – und im Herz, statt im Insta-Video zu konservieren?

Smartphones sind drauf konzipiert die Aufmerksamkeit von Menschen zu absorbieren. Als Beispiele lassen sich Push-Benachrichtigungen, auffällige Bilder und hohe Interaktivitätsanforderungen bis hin zum passiven Kurzvideokonsum nennen. Oft reicht die bloße Sichtbarkeit von Smartphones, um Gesprächsqualität und gefühlte Verbundenheit zu dämpfen, besonders in Dialogen. Ähnlich zur vorherigen Frage leidet die Interaktion zwischen Eltern und Kindern. Kleinkinder profitieren überproportional von sozialen Reizen die sie live erleben und reagieren sehr sensibel und nachhaltig auf Störungen, auch durch das ungenutzte, aber sichtbare Gerät. Gerade Babys brauchen häufig eine absichtslose Ruhe, damit sie in die feinen Mikro-Interaktionen mit ihren Eltern finden. In dieser stillen Präsenz können Eltern sich am Blickkontakt, am Lächeln und den Lauten ihres Kindes erfreuen und genau daraus entsteht eine wertvolle Interaktion. Für Eltern gilt es diese Momente zu schützen und Strategien zu entwickeln, um das Kind in den Fokus der Aufmerksamkeit zu stellen und nicht das Smartphone. Das Abschalten von Push-Benachrichtigungen, das Weglegen des Geräts und auch die Erschwerung der Bedienerfreundlichkeit können hierfür hilfreich sein. Auf den Social Media Kanälen ist es mittlerweile auch möglich das Anzeigen von Shorts, sogenannten Kurzvideos, auszuschalten. Für gemeinsame Ausflügen mit dem Kinderwagen kann das Handy ganz zu Hause gelassen oder in den Flugmodus gestellt werden.

Przybylski, A. K., & Weinstein, N. (2012). Can you connect with me now? How the presence of mobile communication technology influences face-to-face conversation quality. Journal of Social and Personal Relationships, 30(3), 237-246. https://doi.org/10.1177/0265407512453827 (Original work published 2013)

Stockdale LA, Porter CL, Coyne SM, Essig LW, Booth M, Keenan-Kroff S, Schvaneveldt E. Infants‘ response to a mobile phone modified still-face paradigm: Links to maternal behaviors and beliefs regarding technoference. Infancy. 2020 Sep;25(5):571-592. doi: 10.1111/infa.12342. Epub 2020 Jun 4. PMID: 32857440.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Zerstört das Smartphone Momente und Möglichkeiten, die klassisch dazu beigetragen haben, dass sich eine Bindung zwischen Eltern und Kind aufbaut? Fehlt dem Nachwuchs von Smartphone-Eltern gleich oder später das beruhigende Gefühl von Verlässlichkeit und Rückhalt durch die Eltern, von „alles wird gut“?

Einzelne Ablenkungen durch Bildschirmmedien lassen sich gut ausgleichen. Diese ersten Anzeichen sollten aber ernstgenommen werden, um das Risiko eines sich verfestigenden Musters häufiger Unverfügbarkeit durch Bildschirmmedien zu minimieren. In der Phone-Still-Face-Forschung zeigen Säuglinge bei elterlicher Handy-Absorption mehr negativen/weniger positiven Affekt und erholen sich nach Wiederzuwendung oft langsamer. Rezidivierende Unterbrechungen sollten demnach vermieden werden, um die Bindung zwischen Eltern und Kind nicht nachhaltig zu schädigen. Kommt es zu kurzen Momenten der Ablenkung, sollten Eltern diese bewusst wahrnehmen und ein bedürfnisorientiertes Wiedergutmachungsritual initiieren: benennen, entschuldigen und zuwenden. Es ist entscheidend zu verstehen, dass das gemeinsame Erleben sowie zahlreiche kleine und große Interaktionen zwischen Kindern und Eltern elementare Bestandteile einer nachhaltigen, gesunden Bindung sind.

Stockdale LA, Porter CL, Coyne SM, Essig LW, Booth M, Keenan-Kroff S, Schvaneveldt E. Infants‘ response to a mobile phone modified still-face paradigm: Links to maternal behaviors and beliefs regarding technoference. Infancy. 2020 Sep;25(5):571-592. doi: 10.1111/infa.12342. Epub 2020 Jun 4. PMID: 32857440.

Schwarz, S., Martin, D., & Brockmeier, L. C. (2022). Phubbing als neue Form sozialer Interaktionsstörung: ,,Bildschirmfrei bis 3“ adressiert auch das Verhalten der Eltern. Kinder- und Jugendarzt, 53. Jahrgang, 521–524.

Kann eine durchs Smartphone „abgelenkte Elternschaft“ die Entwicklung der Hirnstruktur der Babys beeinträchtigen oder die kindliche Stress-Regulierung stören?

Direkte Kausalpfade „Phubbing  Hirnstruktur“ sind bisher nicht belegt. Nicht das Gehirn formt sich um, sondern die Stresslasst steigt, denn elterliches Phubbing kann zu höheren Stressreaktionen beim Baby und zu niedrigeren Entwicklungswerten führen. Weitere Ergebnisse sind bei einer gestörten Ko-Regulation und Schlaf zu finden. Studien belegen, dass Bildschirmnutzung bei Kindern und Jugendlichen mit verkürzter und verschobener Schlafdauer einhergeht. Dahinter stecken Mechanismen wie: zeitliche Verdrängung, physiologische Aktivierung durch interaktive Inhalte und abendliches Licht aus Displays. Neben direkter Bildschirmmediennutzung spielen Hintergrundmedien eine Rolle. Laufen TV und Tablet „nebenbei“ leidet die Qualität und Menge der Eltern-Kind-Interaktion, eine Form Interaktion zur Ko-Regulation, die für Stressberuhigung und Sprach-/Kognitionsaufbau gebraucht wird. Die elterliche Ablenkung senkt die Feinfühligkeit in sensiblen Momenten und Kleinkinder zeigen physiologische Mitreaktionen, wie den Anstieg von Stressparametern im Körper. Diese Beobachtungen unterstützen die Ergebnisse der Phone-Still-Face-Forschung. Zur Vermeidung dieser Probleme werden bildschirmfreie Abendroutinen sowie gerätefreie Kinder- und Schlafzimmer empfohlen.

Schwarz, S., Krafft, H., Maurer, T., Lange, S., Schemmer, J., Fischbach, T., Emgenbroich, A., Monks, S., Hubmann, M. and Martin, D. (2025), Screen Time, Nature, and Development: Baseline of the Randomized Controlled Study “Screen-free till 3”. Developmental Science, 28: e13578. https://doi.org/10.1111/desc.13578

Porter, C. L., Coyne, S. M., Chojnacki, N. A., McDaniel, B. T., Reschke, P. J., & Stockdale, L. A. (2024). Toddlers’ physiological response to parent’s mobile device distraction and technoference. Developmental Psychobiology, 66, e22460. https://doi.org/10.1002/dev.22460

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Sticca F, Brauchli V and Lannen P (2025) Screen on = development off? A systematic scoping review and a developmental psychology perspective on the effects of screen time on early childhood development. Front. Dev. Psychol. 2:1439040. doi: 10.3389/fdpys.2024.1439040

Fühlen sich Kinder, deren Eltern das Smartphone wichtiger zu sein scheint als ihr Kind, allein gelassen, nicht gesehen, gar unbedeutend? Was macht das mit den Heranwachsenden?

Phubbing wird bei vielen Kindern als soziale Abwertung empfunden. Empirisch finden sich Zusammenhänge zwischen elterlichem Phubbing und schlechterer sozial-emotionaler Anpassung der Kinder. Im Jugendalter tritt häufiger eine Verminderung des empfundenen Familienzusammenhalts auf, die wiederum mit mehr Depressivität zusammenhängen kann. Generell ist ein stabiler positiver Familienzusammenhalt ein positiver Faktor, der generell protektiv auf depressive Symptome wirkt. Kinder können durch elterliches Phubbing sozialen Ausschluss empfinden, der nachweislich das Zugehörigkeitserleben und den Selbstwert reduziert. Regelmäßige Handyfreie Gesprächszeiten können einen Anfang darstellen und könnten bei anhaltender Belastung durch eine professionelle Beratung ergänzt werden. Insgesamt ist jedoch festzustellen, dass die Folgen für Kinder schwer abschätzbar sind, weil aussagekräftige Langzeitstudien fehlen.

Zhang J, Dong C, Jiang Y, Zhang Q, Li H, Li Y. Parental Phubbing and Child Social-Emotional Adjustment: A Meta-Analysis of Studies Conducted in China. Psychol Res Behav Manag. 2023 Oct 19;16:4267-4285. doi: 10.2147/PRBM.S417718. PMID: 37877136; PMCID: PMC10591670.

Bian Y, Jin K, Zhang Y. The association between family cohesion and depression: A systematic review and meta-analysis. J Affect Disord. 2024 Jun 15;355:220-230. doi: 10.1016/j.jad.2024.03.138. Epub 2024 Mar 28. PMID: 38554880.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Bekommen die Eltern vieles gar nicht mit, fühlen sie sich gar gestört, wenn das Verhalten ihres Kindes sie dabei unterbricht, sich mit ihrem Smartphone zu beschäftigen? Fühlen sich die Kinder schuldig, böse, ungeliebt, wenn die Eltern sie in einem solchen Fall gar streng „zur Räson“ bringen?

Wenn Bezugspersonen stark im Gerät „versinken“, sinken Sensitivität und Responsivität: Antworten werden knapper oder gereizter und Kinder reagieren darauf mit Protest oder Rückzug. Eltern die sich vertieft mit dem Smartphone beschäftigen sind im Durchschnitt weniger zugewandt und Unterbrechungen durch das Kind führen häufiger zu harschen Kurzreaktionen. Das Handy reduziert verbale und nonverbale Kommunikation. Kinder internalisieren negative Empfindungen und sie fühlen sich zurückgewiesen und sozial ausgeschlossen. Die Technoference-Forschung unterstreicht diese Befunde: mehr elterliche Unterbrechungen durch Technik führt zu mehr elterlichem Stress und mehr kindlichen Verhaltensauffälligkeiten und umgekehrt. Entscheidend ist hier die Vorbildfunktion der Eltern. Kinder übernehmen zuerst, was sie sehen. Wer als Eltern Präsenzfenster konsequent schützt, Erreichbarkeit bündelt und auf Bildschirmmedien in Interaktionszeiten verzichtet, der schafft positive Lernmomente für Kinder. Vorbilder setzten Standards für die ganze Familie und unterstützen die Glaubwürdigkeit von Routinen und reduzieren Schuldgefühle bei Kindern. Über allem steht, dass Kinder nicht dauerhaft missachtet werden dürfen. Trigger, die Reizbarkeit und Schuldgefühle befeuern, müssen kontext- und inhaltsabhängig identifiziert und moderiert werden.

Schwarz, S, Krafft, H, Büssing A, Boehm K, Reckert T, Büsching U, Martin D. Eltern und Geschwister als Vorbilder im Umgang mit digitalen Bildschirmmedien – Ergebnisse einer MedienFasten-Intervention. Kindheit und Entwicklung, submitted (2020)

McDaniel BT, Radesky JS. Technoference: longitudinal associations between parent technology use, parenting stress, and child behavior problems. Pediatr Res. 2018 Aug;84(2):210-218. doi: 10.1038/s41390-018-0052-6. Epub 2018 Jun 13. PMID: 29895837; PMCID: PMC6185759.

Radesky, Jenny & Miller, Alison & Rosenblum, Katherine & Appugliese, Danielle & Kaciroti, Niko & Lumeng, Julie. (2014). Maternal Mobile Device Use During a Structured Parent–Child Interaction Task. Academic Pediatrics. 15. 10.1016/j.acap.2014.10.001.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Sind Smartphone-Eltern in akut gefährlichen Situationen gar das Gegenteil von Helicopter-Eltern? Weil es ihnen vielleicht ganz recht ist, wenn das Kind auch ohne ihre Begleitung über die belebte Straße zur Bushaltestelle geht, während sie selbst noch ein paar Insta-Posts anschauen? Oder überwiegt hier doch der Eltern-Instinkt?

In risikoreichen Kontexten zählt ungeteilte Aufmerksamkeit zur Reduzierung der Gefahren. Das kurze Texten oder Scrollen auf dem Bildschirm können das Situationsbewusstsein mindern und die Reaktionszeiten verlängern. Untersuchungen zeigen bereits, dass Eltern am Spielplatz den Großteil der Zeit am Smartphone verbringen und in diesen Phasen weniger auf kindliche Risiken und Signale reagieren. Der Handyfokus reduziert die verbale und nonverbale Zuwendung messbar. Dieses stellt einen plausiblen Mechanismus dar, warum die Sicherheitsaufsicht leidet. Die Aufsicht und Ko-Regulation werden durch Technik-Unterbrechungen gestört, was in riskanten Umgebungen stärker ins Gewicht fällt als in „sicheren“ Kontexten. Deshalb sind klar definierte „Phone-No-Go-Zonen“ zu empfehlen, etwa beim Straßenüberqueren, an der Haltestelle, am Wasser oder auf dem Spielplatz. Dieser Ansatz ist sinnvoll und deutlich wirkungsvoller als reine Vorsätze. Die Regeln werden vorab festgelegt und sichtbar gemacht, um sie konsequent einüben zu können. Übergangsituationen wie im Straßenverkehr oder auf dem Spielplatz müssen für Eltern mit ihren Kindern sicher sein. Kontextbasierte Schutzregeln und handyfreie Routinen sind ein Schlüssel zum Erfolg.

Jenny S. Radesky, Caroline J. Kistin, Barry Zuckerman, Katie Nitzberg, Jamie Gross, Margot Kaplan-Sanoff, Marilyn Augustyn, Michael Silverstein; Patterns of Mobile Device Use by Caregivers and Children During Meals in Fast Food Restaurants. Pediatrics April 2014; 133 (4): e843–e849. 10.1542/peds.2013-3703

Bury K, Jancey J, Leavy JE. Parent Mobile Phone Use in Playgrounds: A Paradox of Convenience. Children (Basel). 2020 Dec 10;7(12):284. doi: 10.3390/children7120284. PMID: 33321744; PMCID: PMC7764574.

Mackay, L.J., Komanchuk, J., Hayden, K.A. et al. Impacts of parental technoference on parent-child relationships and child health and developmental outcomes: a scoping review protocol. Syst Rev 11, 45 (2022). https://doi.org/10.1186/s13643-022-01918-3

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Sie unternehmen mit Ihren „Bildschirm-frei-Initiativen“ etwas gegen überbordende Bildschirmnutzung. „Phubbing“ steht für eine Kombination aus „Phone“ und „Snubbing“, also Telefon und Brüskieren durch Nicht-Beachten, Ausschließen, Ignorieren. – Wie können Eltern aus der Falle herausfinden, die ihnen das Smartphone stellt, wenn es sie zu Eltern-Kind-Phubbing verleitet?

Wir empfehlen mit Medienfasten ein niedrigschwelliges Angebot, das an dieser Stelle eine passende Lösung darstellt. Beim Medienfasten setzen Eltern und ggf auch Kinder, die schon Bildschirmzugang haben, für einen klar begrenzten Zeitraum ihre Bildschirmnutzung bewusst stark herab. Es werden feste bildschirmfreie Zeiten (z.B. Spielen, Mahlzeiten, Abendroutine) etabliert und Eltern gewinnen so Aufmerksamkeit für Routinen, die zum Phubbing verleiten. Ziel ist es den eigenen Umgang mit Bildschirmmedien zu reflektieren und neue Gewohnheiten zu schaffen. Am verlässlichsten funktioniert hierfür ein Zusammenspiel aus Struktur, Umfeldgestaltung und Beziehungsarbeit. In der deutschen Leitlinie empfehlen wir kontextbasierte Regeln, sichtbare Absprachen in der Familie und gerätefreie Routinen. Eine andere wichtige Unterstützung kann ein Familien-Medien-Plan sein. Diese Ansätze helfen allen Familienmitgliedern eine klare Struktur zu entwickeln und sich daran zu halten. Bildschirmfreie Zeiten und Räume können geschaffen und die Beeinträchtigung durch Bildschirmmediennutzung aufgebrochen werden. Hier sind einige Beispiele:
bildschirmfreie Tageszeiten definieren

  • bildschirmfreie Räume gestalten (Schlafzimmer ohne Medien)
  • Mahlzeiten, Abendroutinen, Interaktion ohne Medien
  • Push-Benachrichtigungen reduzieren, Nicht-stören-Modi aktivieren
  • „Handybett“ basteln oder anderen Ort finden, wo mobile Geräte gesammelt werden, wenn z.B. Besuch da ist, am Abend oder während der gemeinsamen Spiel und Lesezweit etc.
  • Feste Zeiten planen (z.B. eine Stunde am Abend, wenn das Kind im Bett ist, um E-Mails und andere Nachrichten zu beantworten.

Familien, die einen gemeinsamen Plan verfolgen, Ablenkungsreize bewusst reduzieren, Erreichbarkeiten strukturieren und Wiedergutmachungsrituale verlässlich pflegen, vermeiden genau die Momente, in denen Phubbing als sozialer Ausschluss erlebt wird.

Schwarz, Silke & Krafft, Hanno & Büssing, Arndt & Boehm, Katja & Reckert, Till & Büsching, Uwe & Martin, David. (2019). Self-Perceived Usage of Digital Screen Media and Intentions to Reduce it: An Open, Prospective, Multi-Centered, Pseudonymized Survey among Parents and their Children. Archives of pediatrics. 4. 171. 10.29011/2575-825X.100171.

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Megan A. Moreno, Jenny Radesky, Mary Claire Walsh, Suzy Tomopoulos; The Family Media Plan. Pediatrics December 2024; 154 (6): e2024067417. 10.1542/peds.2024-067417

Welche Tipps geben Sie Eltern, damit auch Erwachsene einen gesünderen Umgang mit dem Smartphone hinbekommen – zugunsten ihrer Kinder?

Am zuverlässigsten funktioniert ein alltagstauglicher Rahmen, der planbare Erreichbarkeit mit sichtbaren Ritualen verbindet. Feste Check-Fenster statt Dauer-Scrollen, eine Liste für wirklich wichtige Anrufe/Nachrichten und die Verwendung von maximal einem Bildschirm. In Interaktionsphasen mit dem Kind wird das Telefon konsequent außer Sichtweite geparkt. Als Beispiel für eine störungsfreie Bettroutine lohnt sich ein fester „Parkplatz“ oder „Handybett“ für das Handy außerhalb des Schlafzimmers. Aktivieren Sie „Nicht stören“ und schließen Sie den Abend mit wiederkehrenden Ritualen (Vorlesen, leises Gespräch, Licht dimmen) ab, damit Aufmerksamkeit und Rhythmus beim Kind bleiben. Hilfreich kann es für Erwachsene auch sein, die tägliche Handyzeit auf dem Gerät nachzuschauen. So kann ein Bewusstsein für die Zeit geschaffen werden, die an dem Handy sehr schnell hoch wird. Zudem kann in vielen Apps auch eine tägliche, zeitliche Begrenzung eingestellt werden, sodass die Apps nach Erreichen der Höchstdauer eine Erinnerung senden oder schließen. Zuletzt können Erwachsene oder Jugendliche einen Selbsttest machen, z.B. den CIUS (Compulsive Internet Use Scale), um sich selbst für die eigene Nutzung zu sensibilisieren.
Nutzen Kinder Bildschirmmedien, sollte hier auf das Prinzip des Co-Viewing gesetzt werden: Inhalte gemeinsam anschauen und besprechen. Die Inhalte sollten vorher auf die Eignung für das eigene Kind geprüft werden. – aber am besten ist Interaktion ohne Medien die sich dazwischendrängen. Der entscheidende Hebel ist die elterliche Vorbildfunktion. Kinder lernen am stärksten über Modellverhalten und wenn Eltern ihre eigene Nutzung transparent strukturieren, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Bildschirmzeit wertvolle Mikro-Interaktionen verdrängt. Es ist weniger die reine Stundenzahl der Nutzung, sondern wann, wo und wozu Erwachsene das Gerät einsetzen und ob dies geschützte Familienfenster unterbricht. Soziale Ausschlussmomente sollten vermieden werden. Eltern die ihre Erreichbarkeit bündeln, schützen Zugehörigkeit, Kommunikation und Ko-Regulation im Alltag.

Schwarz, S., Martin, D., & Brockmeier, L. C. (2022). Phubbing als neue Form sozialer Interaktionsstörung: ,,Bildschirmfrei bis 3“ adressiert auch das Verhalten der Eltern. Kinder- und Jugendarzt, 53. Jahrgang, 521–524.

Sticca F, Brauchli V and Lannen P (2025) Screen on = development off? A systematic scoping review and a developmental psychology perspective on the effects of screen time on early childhood development. Front. Dev. Psychol. 2:1439040. doi: 10.3389/fdpys.2024.1439040

Inhalt umschalten Lassen sich durch Phubbing bedingte Schäden in der Entwicklung des Kindes oder in der Eltern-Kind-Beziehung beheben? Oder stellen Kinder, angeleitet durch das schlechte Vorbild, in ihrem eigenen Leben, und wenn sie selbst Kinder haben, ebenfalls das Smartphone in den Mittelpunkt ihrer Wahrnehmung und Aufmerksamkeit?

Eltern-Kind-Beziehungen sind hochdynamisch. Einzelne Ablenkungen lassen sich durch kurze, explizite Äußerungen abfangen: „Ich war eben abgelenkt – jetzt bin ich ganz da“. Im Vordergrund sollte jedoch die Prävention dieser negativen Erlebnisse stehen. Priorität hat, diese belastenden Erfahrungen zu vermeiden, indem Interaktionen so angelegt sind, dass Eltern erst gar nicht in Situationen geraten, in denen sie ihren Kindern Mikrotraumata bzw. Verletzungen zufügen. Diese wiederholte und erlebte Wiederzuwendung stabilisiert über die Zeit Vertrauen und Selbstregulation. Ob Kinder künftig das Smartphone in den Mittelpunkt rücken, hängt im häuslichen Umfeld maßgeblich vom elterlichen Vorbild ab. Kinder übernehmen den Umgang, den sie täglichen sehen. Eine präsente und kontextbewusste Mediennutzung oder ein Muster der ständigen Unterbrechung. Zur Prävention müssen familiäre Rituale geschützt, Unterbrechungen durch Medien reduziert und Momente der Ablenkung bewusst wahrgenommen werden, sodass die Entwicklung der Kinder nicht gefährdet wird. Kein Kind sollte Zurückweisung erleben müssen, weil sie in Konkurrenz zu Bildschirmmedien stehen. Eltern sind in der Pflicht Präsens zu signalisieren und gemeinsame Regeln zu leben.
Außerhalb des häuslichen Umfeld sind Kitas und Schulen in der Pflicht einen verantwortungsvollen Umgang mit Bildschirmmedien zu vermitteln. In Kindertagesstätten werden bereits handyfreie Übergaben, elternbegleitete Medienerfahrungen und frühe Medienbildung für Erzieher:innen etabliert. Schulen verankern das Thema über Curricula, Schulprogramme und Medienkonzepte. In NRW dient hierfür der Medienkompetenzrahmen, um kritische Medien- und Informationskompetenz sowie gesunde Nutzungsroutinen zu stärken. Wenn Familie, Kita und Schulte feste Präsenzrituale, klare Erreichbarkeitsfenster und verbindliche Rückkehr zum Miteinander pflegen, stärkt das Bindung, Selbststeuerung und einen gesunden Medienumgang.

Schwarz, S., Martin, D., & Brockmeier, L. C. (2022). Phubbing als neue Form sozialer Interaktionsstörung: ,,Bildschirmfrei bis 3“ adressiert auch das Verhalten der Eltern. Kinder- und Jugendarzt, 53. Jahrgang, 521–524.

Sticca F, Brauchli V and Lannen P (2025) Screen on = development off? A systematic scoping review and a developmental psychology perspective on the effects of screen time on early childhood development. Front. Dev. Psychol. 2:1439040. doi: 10.3389/fdpys.2024.1439040

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin e.V. DGKJ. SK2-Leitlinie: Leitlinie zur Prävention dysregulierten Bildschirmmediengebrauchs in der Kindheit und Jugend. 1. Auflage 2022. AWMFRegister Nr. 027-075. Verfügbar: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/027-075

Eine aktuell vom schwedischen Karolinska Institut veröffentlichte Studie zeigt, dass sich bei Jugendlichen ein erhöhter Bildschirmkonsum negativ auf die Schlafqualität und -quantität auswirkt, was wiederum das Risiko für depressive Symptome erhöht. Mädchen sind dabei stärker betroffen als Jungen.

Für die Längsschnittstudie wurden die Daten von 4.810 Jugendlichen, die zwischen 12 und 16 Jahre alt sind und in Stockholm zur Schule gehen, ausgewertet. Dazu gab es eine Fragebogenerhebung zu Beginn der Studie, nach 3 Monaten und nach 12 Monaten.

Während der Pubertät verändert sich das Schlafverhalten natürlicherweise. Die Schlafzeiten verspäten sich bis etwa zum zwanzigsten Lebensjahr. Soziale Konventionen, wie z.B. der Schulbeginn, berücksichtigen dies oft nicht. Gerade am Wochenende haben die Jugendlichen dann oft einen anderen Rhythmus, verstärkt durch Beziehungen zu Gleichaltrigen, sowohl offline, als auch online. Dies führt zu verstärktem sozialem Jetlag, da die Schlafmitte, also der Zeitpunkt, der genau in der Mitte zwischen Einschlaf- und Aufwachzeit liegt, an freien Tagen nicht mehr mit dem Schlafbedarf an Schultagen übereinstimmen.

Die Studie zeigt, dass erhöhte Bildschirmnutzung innerhalb von drei Monaten zu signifikant schlechterer Schlafqualität, verkürzter Schlafdauer und späterem Einschlafen führte. Bei Mädchen war der Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und Depressionen teilweise durch Schlafstörungen vermittelt, bei den Jungen konnte kein direkter Zusammenhang festgestellt werden.

In Schweden gilt für die Altersgruppe 6-12 Jahre eine Empfehlung von maximal zwei Stunden freizeitlicher Bildschirmzeit pro Tag, bei den 13-18-Jährgen liegt sie bei maximal drei Stunden pro Tag. Die von den Jugendlichen selbstberichtete Bildschirmzeit in der Freizeit überschritt die Empfehlung durchschnittlich um eine Stunde pro Tag.

 

Hökby, S., Alvarsson, J., Westerlund, J., Carli, V., & Hadlaczky, G. (2025). Adolescents’ screen time displaces multiple sleep pathways and elevates depressive symptoms over twelve months. PLOS Global Public Health, 5(4), e0004262. https://doi.org/10.1371/journal.pgph.0004262

Viel besser für Kinder: „Bildschirmfrei bis drei

mit Dr. med. Silke Schwarz und Univ.-Prof. Dr. med. David Martin

Digitale Medien sind allgegenwärtig – doch welchen Einfluss haben sie auf die Gesundheit und Entwicklung unserer Kinder? In dieser Folge der Kinderdocs sprechen die Kinderärztinnen Dr. Claudia Haupt und Dr. Charlotte Schulz mit den Experten Dr. Silke Schwarz und Prof. David Martin über das Projekt „Bildschirmfrei bis 3“. Gemeinsam beleuchten sie, warum frühkindlicher Medienkonsum problematisch sein kann, welche Auswirkungen Bildschirmzeit auf Sprache, Motorik und Schlaf hat und wie Eltern Alternativen schaffen können. Außerdem gibt es wertvolle Tipps, wie man Kinder sinnvoll beschäftigt – ganz ohne Tablet & Co.
Jetzt reinhören! 🎧 (YouTube)

Im Rahmen des 29. Diagnostik-Symposiums wird Dr. med. Silke Schwarz zum Thema „Digitalisierung und Bildschirmzeit in der Kindheit: Wieviel ist genug?“ sprechen. Das Symposium findet am Donnerstag den 13. März 2025 in Schaan/Liechtenstein statt.

Weitere Informationen finden Sie im Programm.

Hier geht es zur Anmeldung: risch.ch/ds2025

Dr. med. Silke schwarz als Fachreferentin beim Fachtag „Gesundes Aufwachsen“ in Catrop Rauxel

Datum: Mittwoch, 19. März 2025, 14:00 – 18:00 Uhr
Ort: Rathaus Castrop-Rauxel
Zielgruppe: Fachkräfte & Multiplikator*innen aus Gesundheitswesen, Kinder- & Jugendhilfe, schulischer & außerschulischer Arbeit, Justiz & angrenzenden Arbeitsfeldern
Themen: Mediennutzung & -kompetenz, Cybermobbing, Sprachentwicklung, Strafrecht & Schutzmaßnahmen, praxisnahe Ansätze
Programm:

Auf der ganzen Welt wird diskutiert, ob Schulen ein Smartphone-Verbot verhängen sollten.

In einem sogenannten Rapid Review, welches mit einem vereinfachten Verfahren zeitnahe Erkenntnisse liefern kann, untersuchten Tobias Böttger und Prof. Dr. Klaus Zierer am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Augsburg, welchen Einfluss ein Smartphone Verbot an Schulen auf die Leistung und das soziale Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler hat. In die Metaanalyse schlossen sie fünf Studien aus Norwegen, Spanien, USA und Schweden ein. Sie fanden einen kleinen und signifikanten Effekt des Smartphone-Verbots auf das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler (d = 0,22, p < 0,001) und einen sehr kleinen und nicht signifikanten Effekt auf deren schulische Leistung (d = 0,05).

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass ein Smartphone-Verbot an Schulen positive Auswirkungen insbesondere auf das soziale Wohlbefinden haben kann. Da das soziale Klima entscheidend für das erfolgreiche Lernen und Lehren ist, kann davon ausgegangen werden, dass diese positiven Effekte langfristig verstärkt werden. Sie betonen auch, dass ein Smartphone-Verbot nicht bedeutet, die digitalen Geräte generell zu verbieten. Vielmehr sollte die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler gestärkt und vor negativen Folgen der Smartphonenutzung geschützt werden. Der Umgang mit Smartphones sollte darauf abzielen, diese als Lehrmittel und Unterrichtsgegenstand begleitet durch, im Bereich der Medienerziehung professionell ausgebildete, Lehrkräfte einzusetzen. Hingegen sollten bei einem Smartphone-Verbot an Schulen der übrige Unterricht und die Pausen frei von Smartphones stattfinden und ein sicherer sozialer Raum, insbesondere für junge Schülerinnen und Schüler geschaffen werden.

Im Bereich der Forschung sollten die Auswirkungen eines Smartphone-Verbotes regelmäßig evaluiert werden. Dadurch könnte der Mangel an wissenschaftlicher Forschung zu diesem Thema behoben werden.

Die Studie: 

Böttger, T.; Zierer, K. To Ban or Not to Ban? A Rapid Review on the Impact of Smartphone Bans in Schools on Social Well-Being and Academic Performance. Educ. Sci. 2024, 14, 906. https://doi.org/10.3390/ educsci14080906

PDF Version: https://www.mdpi.com/2227-7102/14/8/906/pdf 

Pressemitteilung: https://zeitpunkt.ch/handys-fliegen-von-der-schule

Juliane Schemmer und Dr. med. Silke Schwarz haben beim Tag der Forschung 2024 der Fakultät für Gesundheit der Universität Witten/Herdecke das Projekt „Bildschirmfrei bis 3“ vertreten. 

Bei der Posterpräsentation wurden die ersten Ergebnisse der präinterventionellen Erhebung vor der U5 der im Jahr 2022 geborenen Kinder gezeigt. Die Daten von über 4000 befragten Eltern zeigten unter anderem, dass die Zeit, die Eltern in Gegenwart ihres Kindes vor dem Bildschirm verbringen, mit statistisch signifikanten schlechteren Ergebnissen bei manchen Entwicklungsschritten der Kinder, z.B. im Bereich Sprache und emotionaler Entwicklung, einhergehen. Gleichzeitig scheint es, dass sich Kinder, die viel Zeit in der Natur verbringen, besser entwickeln, bzw. dies ein Ausgleich für Medienzeiten sein kann.

Knapp ein Fünftel der befragten Mütter zeigten zudem Anzeichen für riskante, schädliche oder abhängige Nutzung des Internets. Dies ist besonders bedenklich, da sie in diesem Alter der Kinder (6 Monate) naturgemäß ein Großteil der Zeit mit ihnen verbringen. Bei den Vätern scheint das Gefährdungspotential mit über 30% allerdings noch höher zu sein.

Kurzversion des Memorandums im Original von der Gesellschaft für Bildung und Wissen e. V. übernommen.

Zusammenfassung

Digitalisierung gilt derzeit im Bildungsbereich für alle Altersstufen als zeitgemäße Lösung von Bildungsfragen. Tatsächlich sind die Wirkungen und Nebenwirkungen digitaler Medien auf Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse wissenschaftlich oft ungeklärt. Vielmehr verdichten sich die wissenschaftlichen Hinweise auf enorme Nachteile und Schäden für die Entwicklungs- und Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen durch digitale Medien. Im Sinne der Fürsorgepflicht öffentlicher Bildungseinrichtungen fordern wir daher ein Moratorium der Digitalisierung insbesondere der frühen Bildung bis zum Ende der Unterstufe (Kl. 6): Es müssen zuerst die Folgen der digitalen Technologien abschätzbar sein, bevor weitere Versuche an schutzbefohlenen Kindern und Jugendlichen mit ungewissem Ausgang vorgenommen werden. Diese haben nur ein Leben, nur eine Bildungsbiografie und wir dürfen damit nicht sorglos umgehen.

Zu untersuchen sind insbesondere Fragen der medizinisch-psychologischen, der pädagogisch-didaktischen und der politisch-demokratietheoretischen Implikationen. Zu den wissenschaftlich fundierten Einsprüchen zählt etwa die Stellungnahme von fünf Professorinnen und Professoren des schwedischen Karolinska-Instituts. Sie warnen vor negativen Auswirkungen von Bildschirmmedien auf das Lernen und die Sprachentwicklung von Kindern. Der U.S. Surgeon General warnt vor den Folgen für die generelle mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch längere Nutzungsdauer und das immer frühere Einstiegsalter bei Bildschirmmedien. Das korrespondiert mit Untersuchungen der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin und Empfehlungen von Kinderärzten und Psychologen.

Die UNESCO kritisiert im „2023 Global Education Monitor” darüber hinaus, dass bei aktuellen IT-Konzepten für Bildungseinrichtungen nicht das Lernen und der pädagogische Nutzen im Mittelpunkt stünden, sondern wirtschaftliche Interessen. Dazu kommen immer mehr Datenverarbeitungssysteme, die als „Künstliche Intelligenz” (KI) automatisiert beschulen und testen sollen, um fehlende Lehrkräfte zu ersetzen. Dabei hat zuletzt die Corona-Pandemie das Scheitern solcher Ersatzsysteme belegt. Der Deutsche Ethikrat warnt daher in seinen Empfehlungen zur „KI und Bildung” explizit vor der Ersetzung der Lehrkräfte durch Computerprogramme, die UNESCO empfiehlt den Umgang mit KI erst ab 13 Jahren.

Es ist daher dringend notwendig, die einseitige Fixierung auf Digitaltechnik in KITAs und Schulen zu revidieren, um interdisziplinär und wissenschaftlich fundiert, mit Fokus auf Entwicklungs-, Lern- und Bildungsprozesse über IT und KI in Bildungseinrichtungen zu diskutieren. Bei Erziehung und Unterrichten muss das Wohl der Lernenden und die Wirksamkeit pädagogischen Handelns im Mittelpunkt stehen. Dazu fordern wir ein Moratorium und den öffentlichen Diskurs über die notwendigen pädagogischen Prämissen des Einsatzes digitaler Medien in Bildungseinrichtungen.

Langfassung (9 Seiten, mit Unterschriften, PDF): Wissenschaftler fordern Moratorium zu IT und KI in Schulen

Kurzfassung (3 Seiten; Zusammenfassung und Unterschriften, PDF): Wissenschaftler fordern Moratorium zu IT und KI in Schulen

Erstunterzeichnerinnen und Erstunterzeichner

Prof. Dr. Volker Bank, Technische Universität Chemnitz, Professur für Berufs- und Wirtschaftspädagogik, Chemnitz

Prof. Dr. med. Jürg Barben, Leitender Arzt Pneumologie/Allergologie, Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen

Prof. Dr. Peter Bender, Universität Paderborn, Fakultät für Elektrotechnik, Informatik und Mathematik, Paderborn

Prof. em. Dr. Carl Bossard, Gründungsrektor Pädagogische Hochschule PH Zug

Dr. Jutta Breithausen, Bergische Universität Wuppertal, Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften,Institut für Erziehungswissenschaft, Wuppertal

Prof. Dr. Ute Büchter-Römer, apl. Professorin an der Humanwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln

Dr. med. Uwe Büsching, Kinder und Jugendarzt, Bielefeld

Prof. Dr. Thomas Damberger, Bildungs- und Erziehungswissenschaften im Kontext der Digitalisierung, Freie Hochschule Stuttgart

Prof. Dr. Karl-Heinz Dammer, Pädagogische Hochschule Heidelberg, Institut für Erziehungswissenschaft

Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs, Karl-Jaspers-Professor für Philosophie und Psychiatrie, Psychiatrische Universitätsklinik, Heidelberg

Dr. med. Dr. h.c. Michaela Glöckler, Kinder-und Jugendärztin

Prof. Dr. Johannes Grebe-Ellis, Universitätsprofessur für Physik und ihre Didaktik, Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften, Bergische Universität Wuppertal

Prof. Dr. Bernhard Hackl, Karl-Franzens-Universität Graz, Institut für Schulpädagogik, Abteilung Schulpädagogik, Graz

Prof. Dr. Gaby Herchert, Universität Duisburg-Essen, Fakultät für Geisteswissenschaften, Germanistik, Duisburg

Prof. Dr. habil. Edwin Hübner, Lehrer und Medienpädagoge, Inhaber des von Tessin-Lehrstuhls für Medienpädagogik an der Freien Hochschule Stuttgart

Prof. Dr. Norbert Hungerbühler, Departement Mathematik, ETH Zentrum, HG E63.1, Rämistrasse 101, CH-8092 Zürich

Universitätsprofessor a.D., Dr. rer. pol. Hans-Carl Jongebloed, Universität Kiel, Institut für Pädagogik, Lehrstuhl für Berufs- und Wirtschaftspädagogik

Prof. Dr. Rainer Kaenders, Mathematisches Institut, Hausdorff Center for Mathematics, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Bonn

Dr. Beat Kissling, Psychologe und Erziehungswissenschaftler/Gymnasiallehrer, Zürich

Prof. em. Dr. Hans Peter Klein, Didaktik der Biowissenschaften, Goethe Universität Frankfurt

Prof. Dr. Jochen Krautz, Bergische Universität Wuppertal, Fakultät für Design und Kunst

Prof. em. Dr. Hans-Dieter Kübler, Professor für Sozial-, Kultur- und Medienwissenschaften, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg

PD Dr. Axel Bernd Kunze (Univ. Bonn)

Prof. Dr. Volker Ladenthin, Arbeitsbereich Bildungswissenschaft, Lehrstuhl für Historische und Systematische Erziehungswissenschaft, Bonn

Prof. Dr. phil. Ralf Lankau, Fakultät Medien, HS Offenburg

Hon.Prof. Dr. Christoph Möller, Chefarzt, Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, Zentrum für Kinder und Jugendliche, Hannover

Prof. Dr. Jürgen Rekus, Institut für Allgemeine Pädagogik, Universitätsbereich im Karlsruher Institut für Technologie, Karlsruhe

Prof. Dr. Ingo Reuter, Kulturwissenschaften, Univ. Paderborn

Prof. i. R. Dr. Christian Rittelmeyer, Professor für Erziehungswissenschaft am Pädagogischen Seminar der Universität Göttingen

Dr. Klaus Rodens, Kinder- und Jugendarzt, Angertorstr. 6, 89129 Langenau

Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski, Institut für Strafrecht und Strafprozessrecht, Universität zu Köln, Köln

Prof. Dr. Thomas Sonar, Institut Computational Mathematics, AG Partial Differantial Equations PDE, Technische Universität Braunschweig, Braunschweig

Prof. Dr. med. Dr. phil. Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie III

Prof. Dr. Gertraud Teuchert-Noodt, Neurobiologin, ehem. Universität Bielefeld

Prof. Dr. Christoph Türcke. em. Professor für Philosophie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig

Prof. Dr. Anke Wegner, Institut für Germanistik, Didaktik der deutschen Sprache/Deutsch als Zweit- und Fremdsprache, Universität Trier

Prof. Dr. Ysette Weiss, Institut für Mathematik, AG Fachdidaktik Mathematik, Johannes Gutenberg-Universität, Mainz

Prof. em. Dr. Dr.h.c Erich Ch.Wittmann, Projekt Mathe 2000, Technische Universität Dortmund

Prof. Dr. Tomáš Zdražil, Anthropologische und anthroposophische Grundlagen der Waldorfpädagogik, Freie Hochschule Stuttgart

Prof. Dr. Klaus Zierer, Ordinarius für Schulpädagogik, Universität Augsburg

Welche Auswirkungen hat die zu frühe Nutzung von Smartphones, Tablets etc. auf die kindliche Entwicklung? Ab wie vielen Jahren ist eine Smartphone-Nutzung in Ordnung und in welchem Ausmaß? Leidet die Konzentrationsfähigkeit und die Sprachentwicklung von Kindern durch die Nutzung von Bildschirmmedien?

Diese und mehr Fragen beantworten die Initiatoren von „Bildschirmfrei bis 3“, Dr. med. Silke Schwarz und Prof. Dr. med. David Martin, im Interview.

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