„Ausgedehnter elektronischer Bildschirmmedienkonsum im Alter von einem Jahr verdreifacht bei Jungen die Diagnose eines Autismus im Alter von drei Jahren. Dieser Effekt ist dosisabhängig.“

In einer Geburtskohortenstudie in Japan (Kushima et al., 2022) wurden die Daten von 84.030 Mutter-Kind-Gruppen in Bezug auf den Zusammenhang zwischen starkem Bildschirmmedienkonsum der Kinder im Alter von einem Jahr mit der Diagnose Autismus-Spektrum-Störung (ASD) im Alter von drei Jahren analysiert. Die Datenerhebung verlief über eine Befragung der täglichen Bildschirmnutzungsdauer der Kinder im Alter von einem und drei Jahren sowie einer Befragung nach der Diagnose Autismus-Spektrum-Störung durch einen Arzt oder eine Ärztin im Alter von drei Jahren.

Die Befragungen ergaben, dass bei 330 (0,4%) der 84.030 Kindern eine ASD im Alter von drei Jahren diagnostiziert wurde, davon 251 (76%) Jungen und 79 (24%) Mädchen. Die Angaben zur Bildschirmnutzungszeit lagen im Alter von einem Jahr in den meisten Fällen bei weniger als einer Stunde und mit zunehmender Nutzungszeit stieg der Anteil der ASD diagnostizierten Kinder. Die logistische Regressionsanalyse zeigte, dass eine längere Bildschirmnutzungszeit bei Jungen im Alter von einem Jahr mit einer statistisch signifikant höheren Wahrscheinlichkeit von ASD im Alter von drei Jahren zusammenhängt. Obwohl die Verteilung der Bildschirmnutzungszeit bei Jungen und Mädchen ähnlich war, wurde ein solcher Zusammenhang bei Mädchen nicht gefunden.

Zusammengefasst ergibt die Studie, dass bei Jungen ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einer erhöhten Bildschirmnutzungszeit im Alter von einem Jahr und einer ASD Diagnose im Alter von drei Jahren, unabhängig von einer möglichen mütterlichen Misshandlung oder einer Prädisposition für ASD im Alter von einem Jahr, besteht.

Die Studie zeigte außerdem, dass trotz der Empfehlungen der World Health Organization (WHO) und des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, 90% der Kinder bereits im Alter von einem Jahr mit Bildschirmmedien in Kontakt gekommen sind.

In der Diskussion nennen Kushima et al. die genetischen Faktoren aber auch die elektromagnetischen Felder als möglichen Umweltfaktor für ASD, welcher mit der Gesundheit und Exposition gegenüber Bildschirmen in Verbindung gebracht werde. Auch beziehen sich die Autoren und Autorinnen auf die geschlechtlichen Unterschiede, die in dieser Studie auftraten. Sie erklären, dass die gefundenen Geschlechterunterschiede im Zusammenhang zwischen der Bildschirmnutzungszeit und ASD auf die generell höhere Prävalenz der ASD bei Jungen und genetische Faktoren zurückzuführen sei. Dieser Befund dürfte die Motivation der Ärzte und Eltern steigern, bei Bildschirmfrei bis 3 mitzumachen. Dies ist die weltweit größte randomisierte kontrollierte Studie, die am 1. Juni 2022 für 2/3 aller Kinder des Jahrgangs 2022 betreffen wird.

Für mehr Information siehe www.bildschirmfrei-bis-3.de